Encyclopedia of Shinto Kokugakuin University
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Einführung Kapitel 1: Allgemeine Einleitung
Dieser Abschnitt bietet einen allgemeinen Überblick über die Geschichte des Shintō vom Altertum bis in die Gegenwart. Berücksichtigt werden auch die verschiedenen Religionen und Philosophien, die den Shintō im Laufe seiner Entwicklung geprägt haben, wie etwa klassische Chinesische Philosophie, Buddhismus, Onmyōdō (ein Gedankensystem, das auf den chinesischen Vorstellungen von Yin und Yang und den Fünf Elementen fusst), Konfuzianismus, Shugendō und das Christentum. Da der Begriff des Shintō eine Vielzahl von Erscheinungen umfasst, wird der Shintō für gewöhnlich in Schrein-Shintō (jinja shintō), Sekten-Shintō (kyōha shintō), Shintō des Kaiserhauses (kōshitsu shintō), Volks-Shintō (minzoku shintō) und philosophischen oder gelehrten Shintō (gakuha shintō) unterteilt. Andererseits kann der Shintō auch basierend auf einer Einteilung in historische Perioden und unter Betrachtung der ihnen eigenen Entwicklungen besprochen werden. So bildeten ohne Zweifel der für die Verehrung von kami (jingi saishi) charakteristische Ausdruck von Dank-, Bittgebeten und Ehrfurcht vor den kami den Kern des Shintō als Religion. Die Ursprünge des Shintō sind jedoch nicht eindeutig bekannt. Sollte man den Shintō als gleichbedeutend mit dem sehen, was immer den Kern des religiösen Lebens der Japaner bildet, dann müssen die Ursprünge „Shintō-ähnlicher Elemente als zeitgleich mit den Ursprüngen japanischer Kultur betrachtet werden. Bevorzugt man allerdings die Annahme, dass Shintō unter dem Einfluss der klassischen chinesischen Philosophie und des Mahayana Buddhismus entstand, dann sieht man sich mit dem Problem konfrontiert, die aufkeimenden Formen einer Religion nachweisen zu müssen, die erst durch Anstösse ausländischer Religionen eine klare Gestalt annahm. Da dem Shintō in jedem Falle ein genau zu bestimmender Ursprungspunkt fehlt, bleiben seine frühesten Formen im Dunkel. Daher ist es im Ganzen am Sinnvollsten, die Entwicklung des Shintō im Vergleich zu anderen ethnischen Religionen (wie etwa Animismus, Schamanismus, Ahnenverehrung und Naturverehrung) zu sehen, die auch allmählich bestimmte rituelle und kultische Formen annahmen.

Wissenschaftliche Ansätze zur Erforschung des Shintō im Altertum unterscheiden zwischen einem archäologischen Ansatz und einem Text-orientierten Ansatz. Der archäologische Ansatz spekuliert über das Wesen der Shintō-Riten und –Kulte basierend auf archäologischen Stätten und den Funden, die dort gemacht wurden. Der Text-bezogene Ansatz versucht kami-Verehrung basierend auf klassischen Texten wie dem Kojiki, dem Nihon Shoki, dem Fudoki oder dem Manyōshu zu rekonstruieren. In diesem letzteren Fall ermöglicht uns die Mythenforschung, die Mythen dieser Werke mit den Mythen anderer Kulturen zu vergleichen. Die kami-Verehrung, die als Kern des Shintō betrachtet wird, bildete während des Altertums eine gewisse festgelegte Form aus und nahm einen wichtigen Platz innerhalb des Ritsuryō-Systems (ein System von Straf- und Verwaltungs-Kodizes der späten Asuka und frühen Nara- Zeit, das auf dem Vorbild der chinesischen Tang Dynastie fusste) ein. Mit dem Niedergang des Ritsuryō-Systems traten auch Änderungen in der Form der kami-Verehrung ein. Mit dem wachsenden Einfluss des Buddhismus schritt die „Verschmelzung der kami und Buddhas (shinbutsu shūgō) in Philosophie und tatsächlicher Praxis schneller (mit gesteigerter Geschwindigkeit) voran. Mit der Machtübernahme durch die Kriegerschicht verursachten darüber hinaus der Hachiman-Kult (siehe unter Hachiman shinkō) und andere Kulte aus dem Umfeld der Kriegerschicht Veränderungen in der Schrein-Verehrung. Nach der Kamakura-Zeit entstanden verschiedene Schulen und Philosophien des Shintō. Während der Edo-Zeit kamen weiterhin neue, konfuzianisch-beeinflusste Shintō-Theorien auf. Zusätzlich waren das Entstehen der Nationalen Schule (kokugaku) und des Restaurations-Shintō (fukko shintō) zu dieser Zeit von grösster Bedeutung für die Entwicklung des Shintō in der Neuzeit. Basierend auf dem Einfluss der kokugaku und des Restaurations-Shintōs seit dem Ende der Edo-Zeit lässt sich in der Neuzeit eine sich schnell vertiefende Beziehung zwischen dem Tennōsystem, dem Nationalbewusstsein und der kami-Verehrung feststellen. Aus der Sicht der Entwicklung des Shintō stellt der 2. Weltkrieg einen bedeutenden Einschnitt dar. Vor dem Krieg waren das neuzeitliche Schrein-System und der Sekten-Shintō von besonderer Bedeutung. Viele der Shintō-beeinflussten Neureligionen wurden ebenfalls in dieser Zeit gegründet. Mit der Einführung einer neuen Rechtsordnung nach Ende des Krieges wurde das Schrein-System unter Führung des Dachverbandes der Shintō-Schreine (das Schrein-Hauptamt; jap. Jinja Honchō) konsolidiert. Zusätzlich ereignete sich eine bemerkenswerte Anzahl von Neugründungen Shintō-beeinflusster Religionen.
       Den grössten religiösen und philosophischen Einfluss auf den Shintō übte im Laufe der Geschichte der Buddhismus aus, aber klassische chinesische Philosophie und Konfuzianismus waren ebenfalls sehr einflussreich. Der Einfluss des Onmyōdō ist in shintōistischen Reinigungsritualen und der Deutung glücks- und unglücks-verheissender Zeichen zu erkennen. Neue Forschungsergebnisse deuten auf einen daoistischen Einfluss hin, aber dieser muss als Teil eines allgemeinen Einflusses klassischer chinesischer Philosophie und Onmyōdōs verstanden werden. Der Konfuzianismus übte während des Altertums Einfluss auf die rituelle und intellektuelle Seite des Shintō aus und in der frühen Neuzeit kam noch ein neo-konfuzianischer Einfluss hinzu. Der Shugendō selbst ist ein Ergebnis der oben erwähnten „Verschmelzung von kami und Buddhas (shinbutsu shūgō), aber er beeinflusste später die Entstehung religiöser Shintō-Organisationen während der Neuzeit. Einflüsse des Christentums auf den Shintō haben bisher wenig Beachtung gefunden, jedoch darf der christliche Einfluss auf die kokugaku und die neuzeitlichen Shintō-Vereinigungen nicht übersehen werden.

— Inoue Nobutaka
"Establishment of a National Learning Institute for the Dissemination of Research on Shinto and Japanese Culture"
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Ver. 1.3