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Einführung Kapitel 2: Kami (Gottheiten)
Der Begriff Shintō wird häufig in Zusammenhang mit dem Ausdruck "achtzig Myriaden kami" verwendet, um die wahrhaft gigantische Zahl dieser kami, die im Shintō existieren, anzuzeigen. Diese Gedankenverbindung zeigt auch den offensichtlichen Grund, warum Shintō gemeinhin als ein "polytheistisches" Glaubenssystem bezeichnet wird. Die Tatsache, dass der Shintō eine so grosse Anzahl von kami für sich beansprucht, bedeutet jedoch nicht, dass diese kami in keiner Weise miteinander verbunden seien oder dass kein System ihrer Kategorisierung bestehen würde. Im Gegenteil: wie die Artikel Definitionen und Typologien, Amatsukami und Kunitsukami verdeutlichen, besitzen die kami der "polytheistischen" Religion Shintō ein hohes Mass an Systematisierung und gegenseitiger Verflechtung. Viele von ihnen besitzen Funktionen und Charakteristika, die es gestatten, sie unter dem einen oder anderen Typus zusammenzufassen.
       Während somit im Shintō eine grosse Zahl von kami existiert und diese eine gewisse organische Beziehung zueinander aufweisen, sind die ursprünglichsten und zentralen kami des Shintō diejenigen, die in den klassischen Werken des japanischen Altertums (wie etwa dem Kojiki, Nihongi (Nihon Shoki), Kogo shui, Fudoki und Manyōshu) auftreten. Zu den kami, die in diesen Werken vorkommen, zählen Amaterasu ōmikami und eine grosse Zahl anderer. Nicht alle kami, die in diesen klassischen Werken beschrieben werden, weisen jedoch eigene Aktivitäten, Funktionen oder Attribute auf. Die Anzahl der kami, die tatsächlich den Gegenstand der Verehrung (siehe saijin) an Schreinen oder innerhalb Shintō-verwandter religiöser Gruppen bilden, ist in Wahrheit nicht so gross. In diesem Kapitel werden fast zweihundert kami als eine Auswahl aus der enormen Zahl der in den Klassikern aufgeführten kami vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf den kami, die weitläufig bekannt sind und deutliche Attribute und dokumentierte Aktivitäten aufweisen. Die einzelnen Artikel geben eine einfache Beschreibung in welchen Werken die kami vermerkt sind, was ihre Tätigkeiten und Attribute sind, und führen auch die Alternativnamen der kami auf. Sollte derselbe Name für mehrere kami verwendet werden, so ist dies auch angemerkt. Ein Beispiel für einen kami mit Alternativnamen ist Ōkuninushi no kami. Einige der Alternativnamen dieser Gottheit sind Ōnamuchi no kami, Ashiharanoshiko-o und Yachihoko no kami. Er wird ebenfalls häufig als identisch mit dem kami Ōmononushi no kami angesehen. Ein Beispiel für zwei kami, die denselben Namen miteinander teilen, sind die beiden als Honoakari no kami bekannten Gottheiten. Das Nihongi erwähnt diesen kami als einen Nachkommen von Nininigi no mikoto, während das Izumo no kuni fudoki ihn als Kind des Ōkuninushi no kami aufführt. Wie solche Beispiele verdeutlichen, sind die Darstellungen in den Klassikern bezüglich der Geschichte und Aktivitäten der kami kompliziert und oft verwirrend. Aus diesen Gründen haben wir in diesem Kapitel versucht, die Beschreibungen der einzelnen kami so leicht verständlich wie möglich zu halten.
       Die wichtigsten kami, die in den Klassikern vermerkt sind, sind Gegenstand des Glaubens und der Verehrung an den Shintō-Schreinen. Dort sind sie in der Rolle des hauptsächlichen saijin (d.h. des in dem Schrein verehrten kami) zu finden. Andererseits existiert auch eine beträchtliche Zahl von Schreinen, an denen kami verehrt werden, die nicht in den Klassikern vorkommen. Zu ihnen zählen die Geister von solch berühmten Personen wie Sugawara no Michizane, Helden oder Untertanen, die sich selbst für eine Sache aufgeopfert haben (gimin). Die meisten dieser Wesenheiten werden in den Kapiteln 4 (Jinja) und 6 (Glaubensvorstellungen und Glaubenspraxis) behandelt. Zusätzlich zu den kami aus den Klassikern des Altertums, werden in diesem Kapitel auch Wesenheiten erläutert, die aus einer "kombinatorischen Religion" (siehe auch shinbutsu shūgō ) unter Einfluss des Buddhismus, Daoismus und Onmyōdō (ein Glaubenssytem, das auf chinesischen Vorstellungen von Yin und Yang und den Fünf Elementen fusst) hervorgegangen sind. Weiterhin finden auch kami Erwähnung, die über keine eigenen Namen verfügen, aber in der japanischen Volksreligion funktionell unterschiedliche Identitäten haben. Zu repräesentativen kami des kombinatorischen Typus gehören Kōjin, Gozu tennō und Zaō gongen. Auch bekannt als Sanbō kōjin, wird die Wesenheit Kōjin als kami des Feuers (hi no kami) oder als "Grundherren-kami" (jinushigami) betrachtet. Innerhalb des Hauses wird dieser kami hauptsächlich als Schutzgottheit des Feuers oder des Herdes (kamadogami) verehrt, während er ausserhalb des Hauses als Volks-Schutzgottheit des Bodens oder eines begrenzten geographischen Raumes verehrt wird. Das Phänomen, dass manche kami gleichzeitig so vielseitige Funktionen haben, wird für gewöhnlich als Resultat eines Zusammenspiels des japanischen Glaubens an "rauhe kami" (araburukami), wie er auch in den Klassikern vorkommt und dem Onmyōdō aus China gedeutet, als sich dieser letztere Brauch unter der japanischen Bevölkerung verbreitete. Gleicherweise war Gozu tennō (der "stierköpfige König des Himmels") ursprünglich die indische Schutzgottheit Gosirsa-devaraja des buddhistischen Jetavana Klosters (Jap. Gion Shōja). In China wurde Gozu tennō dann als Gottheit der Seuchen angesehen. In Japan identifizierte man ihn wiederum mit dem klassichen kami Susanoo no mikoto and so entstand die letztendliche kombinatorische Form des Gozu tennō-Kultes. Zaō gongen, Gegenstand der Verehrung im Shugendō Bergkult, ist das Produkt eines eigentümlichen Prozesses, in dem Shintō und Buddhismus zusammenspielten. Der Zaō gongen-Kult weist auch starke kombinatorische Aspekte in Verbindung mit der Verehrung des kami der Wasserquellen (mikumari no kami) auf.
       In weitem Sinne können solche kombinatorischen Gottheiten als kami des Volkes betrachtet werden. In dieser Enzyklopädie haben wir aus diesem Grund ein unabhängiges Unterkapitel den kami der japanischen Volksreligion gewidmet. Dieser Typus umfasst eine Reihe von Gottheiten, die eng verbunden mit Haushalten und geographischen Einheiten sind. Diese beinhalten territoriale Schutzgottheiten (ubusunagami), kami von Verwandtschaftsverbänden (ujigami), kami von Haushalten (ie no kami), kami der Märkte (ichi no kami), die weit verbreiteten Ebisu und Daikoku, den kami des Herds (kamadogami) und die sieben Glücksgötter (shichifukujin). Andere Gottheiten, die in diesem Kapitel behandelt werden, sind solche, die Produktionsverbände und berufliche Verbände oder Berufszweige betreffen, wie etwa der kami des Feldes (ta no kami), Schutzgottheiten der Fischerei (gyogyōshin) oder der kami der Holzbearbeitung (daiku no kami).

— Sakamoto Koremaru
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Ver. 1.3