Encyclopedia of Shinto Kokugakuin University
 main menu
  »New EOS site

  »Home

  »Foreword

  »Guide to Usage

  »Contributors & Translators

  

  »Movies List
 Links
AND OR

Home » Chapter Introductions(Deutsch) » Deutsch
Einführung Kapitel 4: Jinja(Schreine)
Dieses Kapitel behandelt die spezielle Terminologie, die in Verbindung mit den Shintō jinja (gewöhnlich im Deutschen als "Schrein" übersetzt) verwendet wird. Dazu zählen Begriffe der Architektur dieser Schreine und Bezeichnungen für in ihnen benutzte zeremonielle Gegenstände und Priestergewänder. Dauerhafte Schrein-Anlagen existierten während des Altertums so gut wie gar nicht. Während einige wenige Beispiele für permanente Stätten der Verehrung (so zum Beispiel die iwakura und iwasaka genannten Orte) gefunden werden können, wurde in den meisten Fällen das Verehrungszeremonial an vorübergehenden genutzten Stätten ausgeführt. Gegenwärtige Schreine bestehen für gewöhnlich aus Hauptgebäuden (shaden) mit Sälen zur Aufführung heiliger Tänze (kaguraden), den Gebäuden der Schreinverwaltung (shamusho) und anderen Elementen, die auf dem Schreinareal (keidai) gefunden werden können. Entlang des Aufgangsweges innerhalb des Schreingeländes finden sich torii (heilige Tore), komainu ("koreanische Löwen"), Votivlaternen (tōrō) und Brunnen zur rituellen Reinigung (temizuya). Auch spezielle Bauwerke wie ein Allerheiligstes (honden), eine Gebetshalle (haiden) oder ein Gebäude zur Darreichung der Opfergaben (heiden) können sich unter den Schreingebäuden befinden. Der symbolische "kami-Körper" (shintai), das Objekt der Verehrung, wird meistens im Innersten des Hauptheiligtums aufbewahrt. Shintai können die Form eines Spiegels (kagami), Schwertes, Juwels, oder die Form eines von vielen anderen Objekten haben. Gemäss der Lehre und dem Einfluss des Buddhismus, wurden auch bildliche Darstellungen der kami (shinzō) und mandara genannten Abbildungen aus dem esoterischen Buddhismus als shintai verwendet. Auch Gegenstände aus der Natur werden manchmal als shintai verehrt. Ein Berg in der Rolle des shintai wird als shintaizan (wörtlich "kami-Körper-Berg") bezeichnet. Abgesehen von den eigentlichen shintai werden auch andere Objekte auf dem Schreingelände als heilig angesehen. Dazu zählen zum Beispiel heilige Bäume (shinboku oder shinju), die oft als yorishiro Objekte, in denen sich ein kami manifestiert oder die er zeitweise bewohnt — betrachtet werden. Manche Schreine besitzen eine grosse Anzahl von Zeremonial- und Kunstgegenständen mit heiliger Bedeutung (siehe auch shinpō). Die meisten davon stehen mit der Ursprungslegende (engi) des Schreins in Verbindung und einige von ihnen sind als Nationalschätze oder wichtige Kulturgüter klassifiziert. Es ist nicht ungewöhnlich, eine Anzahl kleinerer Schreine auf dem Gelände eines einzelnen grossen Schreins zu finden. Zusätzlich zum Hauptschrein gibt es noch sessha, massha oder edayashiro genannte Unterschreine. In manchen Fällen kann ein Schreinkomplex aus einem Paar von Schreinen bestehen, bei dem der Hauptschrein auf oder nahe dem Gipfel eines Berges thront, während sich am Fusse des Berges ein untergeordneter Schrein für die "Verehrung aus der Ferne" (yōhai) befindet. In diesen Fällen wird der Hauptschrein als yamamiya (Bergschrein) und die nähergelegene Einrichtung als satomiya (Dorfschrein) bezeichnet.
       Ein kami kann als ein Bestandteil von Festivitäten eine Prozession (miyuki) durch seinen Gemeindebereich abhalten. In diesem Fall wird ein tragbarer Schrein (mikoshi oder shinyo ) verwendet. Sollten die künstlerischen Elemente dabei hervorgehoben werden, dann kann der tragbare Schrein die Form eines kunstvoll geschmückten Festwagens, der als yorishiro fungiert, annehmen. Diese Festwagen werden dashi oder yamahoko genannt.
       Während des Verehrungsritus werden dem kami eine Vielzahl von Opfergaben dargebracht. Im Altertum wurden diese heihaku genannt. Während der Begriff heihaku ein allgemeiner Begriff war, der für heilige Opfergaben verwendet wurde, wurden Gaben von Lebensmitteln durch den Begriff shinsen von allgemeinen Gaben unterschieden. Lebensmittelgaben umfassten auch den miki genannten heiligen Reiswein. Traditionellerweise wurde den kami eine Reihe von Opfergaben dargebracht, Gaben von Textilien jedoch waren für das Altertum besonders charakteristisch. Heutzutage sind es gewöhnlich Geldgaben, und in diesem Falle können sie auch "heihaku- Gebühren" (heihakuryō) genannt werden. Im Laufe der Zeit fanden die heihaku-Gaben auch Verwendung als Zeremonialgegenstände in Reinigungszeremonien (harae) und in diesen Fällen werden sie normalerweise als ōnusa oder haraegushi bezeichnet. Gegenwärtig findet man in diesem Fall die heihaku zumeist in Form von gezackten Papierstreifen (shide), die an kurze Stöcke oder Äste des sakaki- Baumes befestigt werden.
       Shintō-Priester tragen während der Ausübung ihrer priesterlichen Tätigkeiten besondere Gewänder (shinshoku no shōzoku). Im Einklang mit dem auszuführenden Ritual tragen Shintō-Priester heutzutage verschiedene Arten von Gewändern, die seisō, reisō und jōsō genannt werden. Diese Kleider unterscheiden sich auch abhängig vom Rang des Priesters. Es existieren ebenfalls Vorschriften für die in den verschiedenen Ritualen zu verwendenden Zeremonialgegenstände. In der Neuzeit wurden diese Vorschriften zuerst im Jahre 1875 in einer Bekanntmachung des Kaiserlichen Zeremonienamtes (Shikiburyō) mit dem Titel Jinja saishiki ("Vorschriften für die Ritualprozedur an Schreinen") festgelegt. Es folgten die Kankokuheisha ika jinja saishiki ("Vorschriften für Schreinzeremonien an National-dotierten und Anderen Schreinen") im Jahre 1914. Die derzeit geltenden Vorschriften wurden im Jinja saishiki, das im Jahre 1948 vom Schrein-Hauptamt (Jinja Honchō) herausgegeben wurde, festgelegt.
       An Shintōschreinen bringen Besucher Opfergaben als Teil eines Bittgebetes dar. Im Gegenzug können dem Bittsteller symbolische Gegenstände überreicht werden, die die göttliche Macht (shintoku) des kami darstellen. Gaben an die kami umfassen Geldgaben (saisen) und Abbildungen von Pferden auf speziellen Holztafeln (ema). In dem Falle, dass ein Bittgebet Gehör gefunden hat, bringt ein Bittsteller häufig aus Dankbarkeit eine weitere Opfergabe dar.
       Andere Gegenstände, die ein Schreinbesucher erstehen kann, sind "Glücksamulette" (engimono) wie etwa "Dämonentöterpfeile" (hamaya), Bögen und ähnliche Talismane. Diese können Glücksamulette allgemeinen Charakters sein oder Amulette, die Schutz und Segen in einem bestimmten Bereich des Lebens bieten. Ein gutes Beispiel für ein Amulett mit spezieller Funktion sind die ema genannten Amulette. Es wird angenommen, dass der Ursprung dieser Votivtafeln in der Darbringung lebendiger Pferde als Opfergabe liegt. Heutzutage werden die Tafeln von Schreinbesuchern aber dazu verwendet, um auf ihnen ihre Bittgesuche für Erfolg in der Ausbildung, Beruf und Ehe festzuschreiben.
       Gegenstände, die als Glücksbringer angesehen werden, werden allgemein als engimono bezeichnet. Abgesehen von den hamaya-Pfeilen gibt es noch Masken kirsch-gesichtiger Frauen (otafuku), Bauernharken (kumade) und andere ähnliche Gegenstände. Einige der Gegenstände, die an Schreinen zu erwerben sind, haben Weissagungscharakter, wie zum Beispiel die omikuji (Orakelzettelchen). In den meisten Fällen formeller Anbetung wird der Schreinbesucher von dem Schreinpriester rituell gereinigt, bringt der Gottheit einen tamagushi genannten Zeremoniengegenstand und erhält dann eine kleine Schale mit heiligem Reiswein.

— Inoue Nobutaka
"Establishment of a National Learning Institute for the Dissemination of Research on Shinto and Japanese Culture"
4-10-28 Higashi, Shibuya-ku, Tokyo, 150-8440, Japan
URL http://21coe.kokugakuin.ac.jp/
Copyright ©2002-2006 Kokugakuin University. All rights reserved.
Ver. 1.3