Encyclopedia of Shinto Kokugakuin University
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Einführung Kapitel 5 : Riten und Feste
Dieses Kapitel stellt die Terminologie der matsuri (rituelle Zeremonien und Feste) des Shintō vor. Die Herkunft des Begriffs matsuri wird häufig auf das Verb matsurau, das "sich der Macht eines kami unterwerfen" oder "einem kami dienen" bedeutet. Durch die sichtbaren Rituale eines matsuri erhöhen sich die spirituellen Kräfte eines kami und die Menschen können an der Kraft des kami teilhaben. Einer der bedeutendsten Bestandteile von Verehrungsritualen ist die Darbringung von Lebensmittelgaben (shinsen). Die zentrale Zeremonie des kaiserlichen daijōsai ("Fest des grossen Kostens"; das erste von dem neuen Herrscher ausgeführte Erntedank-Fest nach einer Thronbesteigung) ist das rituelle gemeinsame Mahl von Mensch und kami. Das Ritual des "grossen Lebensmittelopfers" (ōmike) ist das zentrale Ritual an den Ise Schreinen (Ise Jingū). Die entscheidende Rolle, die im Shintō dieses gemeinsame Einnehmen eines Mahles von Mensch und kami spielt, wird durch die sorgfältige Durchführung dieses Rituals in der kaiserlichen Familie und an den Ise Schreinen bezeugt. Diese rituellen gemeinsamen Mahle werden naorai genannt
       Die grosse Liebe, die Japaner für die festlichen matsuri hegen, ist weithin bekannt. Das Gespür der Japaner für die vier Jahreszeiten kommt in den verschiedenen jahreszeitlichen Festivitäten gut zum Ausdruck. Von dem Neujahrsfest (saitansai) am 1. Januar bis zur Verabschiedung des alten Jahres (toshikoshi) am 31. Dezember ist der Jahreszyklus von einer Vielzahl von rituellen Bräuchen gekennzeichnet. Seit dem Altertum haben die Japaner an seit langer Zeit tradierten, aufregenden Festen in den Städten und an Erntedankfestlichkeiten in den Dörfern teilgenommen. In dieser Weise erhielten sie die Gunst der kami und erneuerten das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinschaft. Matsuri haben auch die Funktion eines Modells gesellschaftlichen Lebens ausgeübt und sind darüber hinaus ein wichtiges rituelles Element zum Verständnis des Shintō und der Schreinverehrung. Unterkapitel behandeln die Typologie der Riten, Riten an den Ise Schreinen, Schreinriten, Besondere Lokale Riten (tokushu shinji), Darstellende Künste, Riten des Alltags und Riten auf den Südlichen Inseln.
       Die Besonderheiten der matsuri des Altertums werden durch fortdauernde archäologische Nachforschungen allmählich zu Tage gefördert. Besonders die Untersuchungen der Munakata Schreine und Forschung auf der Insel Oki-no-shima haben wichtige Beiträge zum Verständnis der Entwicklung der Rituale zwischen dem fünften und neunten Jahrhundert geliefert. Als Ergebnis einer wachsenden Zahl von Ausgrabungen in den letzten Jahren ist es möglich geworden, den Inhalt der Rituale anhand archäologischer Funde zu rekonstruieren. Die Erwartungen bezüglich zukünftiger Untersuchungen sind dementsprechend hoch. Vergleichende Untersuchungen von Ritualen in anderen Teilen der Welt tragen ebenfalls zu unserem Verständnis des Wesens der japanischen matsuri bei.
       Obwohl die Rituale zur Verehrung der kami des Shintō ursprünglich einer Agrargesellschaft entstammen, wurden sie im Laufe der Entstehung und Entwicklung des Staatsgefüges im Altertum systematisiert. Das Ritualsystem des Ritsuryō-Staates (ein Regierungssystem der späten Asuka- und frühen Nara- Zeit, das auf dem Vorbild der Straf- und Verwaltungs-Kodizes der chinesischen Tang Dynastie fusste) wurde während der Herrschaft der Kaiser Tenmu und Jitō (ca. spätes 7. Jahrhundert) zur Vollendung gebracht. Das System der Ritsuryō-Rituale, das während der darauffolgenden Heian-Zeit (794-1192) um weitere Zusätze ergänzt wurde, erlebte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit einen Niedergang, wurde jedoch zur Meiji-Zeit (1868-1912) wiederhergestellt und wird im gegenwärtigen Shintō-Ritual fortgeführt. Die Wiederbelebung dieses Systems in der Meiji-Zeit beabsichtigte eine Rückkehr zum alten Ritsuryō-Ritual der Heian-Zeit, wie es sich aus noch vorhandenen Abhandlungen über Rituale rekonstruieren liess. Diese Art des Staatsrituals wird im Bezug zur Vormoderne in Artikeln zum Zeremoniell am Hofe und für die Neuzeit in Artikeln zum Meiji-Staatszeremoniell besprochen. Zusätzlich werden Staatsrituale in den Unterkapiteln behandelt, die sich mit dem alten Ritsuryō-Ritual und dem Zeremoniell des Kaiserhauses während der Meiji-Zeit befassen. Seit dem Altertum besassen die Rituale der Ise Schreine eine enge Beziehung zum Kaiserhaus und hatten einen stark offiziellen Charakter. Andere Artikel beschreiben die Erneuerung des Inneren Schreins (shikinen sengū) in Ise, die alle zwanzig Jahre stattfindet, sowie die jährlichen Rituale des Kannamesai und Tsukinamisai und die besonderen täglichen Rituale der Lebensmittelgaben (higoto asayū ōmikesai), die morgens und abends dargebracht werden.
       Das Unterkapitel über Schreinriten behandelt die Terminologie der gegenwärtigen Gebräuche an Schreinen, während die Artikel des Unterkapitels über "Besondere Lokale Riten" (tokushu shinji) einen breiten Überblick über diejenigen Riten Japans geben, die auf den spezifischen Traditionen und Legenden einer Gegend basieren. Derartige besondere lokale Riten weisen starke Übereinstimmungen mit Charakterzügen der örtlichen Gemeinde auf. Einige sind ritualisierte Versionen der Gründungsereignisse aus der Geschichte des Schreins. Das Aufführen darstellender Künste und die Darbringung von Lebensmittelgaben an Schreinen stellt eine Verdichtung traditioneller Kultur dar und ist in der jüngsten Vergangenheit zu grosser Bedeutung gelangt. Als Teil der Frage, wer die matsuri-Tradition fortführen wird, scheint es sicher, dass die Debatte über die Weise, in der die matsuri erhalten werden sollen, an Bedeutung gewinnen wird.
       In dem Unterkapitel "Riten des Alltags" finden sich Artikel, die sich mit den Shintō-Festen beschäftigen, die in engem Zusammenhang mit dem alltäglichen Leben in Japan stehen. In diesem Unterkapitel wird eine Fülle an Informationen geboten, die Aspekte bis zu den Grenzbereichen des Shintō abdecken. Diese Aspekte reichen von Lebenszyklusriten wie dem ersten Besuch eines Neugeborenen an einem Schrein (hatsumiya mōde) bis hin zu shintōistischen Bestattungen (shinsōsai), vom ersten Schreinbesuch eines neuen Jahres (hatsumōde) bis hin zu einer grossen Bandbreite von berufsbezogenen Riten. Das abschliessende Unterkapitel behandelt "Riten auf den Südlichen Inseln". Obwohl diese nicht direkt in die Kategorie der Shintō matsuri fallen, bilden sie doch einen Forschungsbereich, der bereits früh von Volkskundlern wie Yanagita Kunio und Orikuchi Shinobu erkannt wurde und der für das Verständnis der ursprünglichen Formen und des Kerns des Shintōkultes und der shintōistischen Verehrung wertvoll ist.

—Okada Shōji
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Ver. 1.3