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Einführung Kapitel 6 : Glaubensvorstellungen und Glaubenspraxis
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Glaubensvorstellungen und den kultischen Gebräuchen, die besonders an Schreinen tradiert werden. Aufgeführt sind hier Beschreibungen der Glaubensvorstellungen, die sich seit dem Mittelalter bis zu frühen Neuzeit im Bereich von Bergen entwickelten, des kōshin-Glaubens und anderer Volkskulte. Es werden auch die verschiedenen Abarten der Anbetung und der Weissagung (bokusen) berücksichtigt, die hier als Formen des religiösen Kultus behandelt werden. Weitere Erwähnung finden die gesellschaftlichen Gruppen, die sich um diese kultischen Handlungen herum gebildet haben. Diese sind hier in der Hoffnung aufgeführt, dass sich dadurch unsere Sichtweise auf die Vielfältigkeit der religiösen Verehrung weitet.
       Von den hier behandelten Hauptformen der Verehrung beziehen sich mehr als zwanzig auf bestimmte Schreine, wie zum Beispiel dem Kult der Ise Schreine (Ise Jingū). Es können auch mehrere Typologien für die Ausbreitung der kami in solchen Kulten aufgeführt werden. Mit der Ausbreitung von Klan-Gruppen in neue Regionen, verbreiteten sich auch die Kulte der kami, die von diesen Gruppen verehrt wurden. Die Suwa- und Munakata-Kulte sind Beispiele für dieses Verbreitungsmuster. Die Verbreitung des Kultes des kami der Kamo-Schreine in Kyoto ist ein klassiches Beispiel für die landesweite gleichzeitige Verbreitung des Ortsnamens (Kamo) und der Verehrung des Kamo-kami. Die kami dieser Kulte wurden ursprünglich von Familien der selben Abstammung verehrt, entwickelten sich später aber zu Schutzgottheiten einer geographischen Region.
       In Hinsicht auf die bedeutendsten Schreine Japans kann die weite Verbreitung des Kultes der "Kinder-kami" (mikogami) des Schreins Kashima Jingū im Nordosten Japans angeführt werden. Der ursprüngliche Kashima Jingū (in Kashima, Präfektur Ibaraki) wird als mit den Riten dieses Kultes in Verbindung stehend betrachtet. Der Kashima-kami wurde ebenfalls nach Nara gebracht, um in den Schrein Kasuga Taisha aufgenommen zu werden. An diesem Schrein wurden die Riten durch Schreinsteuern aus der Region Kashima finanziert, was die Beziehung zwischen den Ableger-Schreinen und den ursprünglichen Schreinen illustriert. Sogar bis in die frühe Neuzeit war das Verteilen von Kashima-Amuletten (shinsatsu) durch kotobure genannte Wanderpriester des Kashima-Kultes eine Methode, den Kashima-Kult unter der einfachen Bevölkerung zu verbreiten. Die Beliebtheit der "Drei-Schreine-Pilgerfahrt," die nach Katori, Kashima und Ikisu führte, war das Ergebnis der Entwicklung des Verkehrs auf dem Tonegawa und anderen Inlandswasserwegen, und hing auch mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung Edos zusammen. Seit dem Altertum betonten die Kulte der Katori- und Kashima-kami die Rolle dieser kami als militärische Schutzgottheiten. Insbesondere während der Zeit der Mongoleninvasionen (1274 und 1281) wurden Bittgesuche für die Niederlage des Feindes an die Schreine und ihre Gottheiten gerichtet. Der Brauch des kashima-dachi (der Brauch, dem Kashima-Schrein einen Besuch abzustatten um ein Bittgesuch vor einer wichtigen Schlacht oder einer wichtigen Reise vorzubringen) und der verbreitete Brauch, diesen kami in Kampfkunst-dōjōs zu verehren, fussen ebenfalls beide auf dem starken militärischen Charakter dieser Gottheiten.
       Wie durch die shinmeisha (kleine, lokale Schreine, die dem kami von Ise geweiht sind) und der Schreine, die der Kashima-Gottheit geweiht sind, bezeugt wird, wurden die kami grosser Schreine auf Ländereien verehrt, die diesen grossen Schreinen als shōen (Lehen) und mikuriya (Lehen, die den Schrein mit Getreide und anderen Gütern versorgten) gestiftet worden waren. Diese kleinen Schreine überdauerten selbst den Verfall der Lehen. Die später auftretende Priesterklasse der onshi (oder oshi), die Amulette des Ise-Kultes verteilten und für Pilgerfahrten nach Ise warben, spielten auch eine grosse Rolle in der Verbreitung des Schreinglaubens.
       Viele Ländereien unter der Verwaltung von Provinz- und Bezirks-Regierungsämtern (kokuga und gūke) wurden durch Beziehungen mit dem Fujiwara-Klan zu Lehen des buddhistischen Tempels Kōfukuji und des Schreins Kasuga Taisha, die von den Fujiwara protegiert wurden. Das Ergebnis dieser Entwicklung war, dass der kami von Kasuga häufig auf solchen Lehen als Schutzgottheit (chinjusha) verehrt wurde, was zu der landesweiten Verbreitung solcher Schreine führte. Der Kult der Gottheit Hachiman verbreitete sich zuerst in Zusammenhang mit den ihm zugeschriebenen Diensten während des Baus des Tempels Tōdaiji in Nara und seiner darauf anschliessenden Rolle als Schutzgottheit buddhistischer Tempel. Später nahm er die Rolle der Schutzgottheit der aufsteigenden Kriegerkaste an. In ähnlicher Weise verbreitete sich der Kult des Schreins Hie Sannō basierend auf der Rolle dieses kami als Schutzgottheit von Tempeln der buddhistischen Tendai-Schule. Viele Schreine dieser Art erlangten nach Anbruch der Meiji-Zeit institutionelle Unabhängigkeit. Dies war ein weiteres Muster der Verbreitung von Schrein-Kulten.
       Manche Bewohner von Küstenregionen benutzen die Meeresströmungen zur Migration. Auch solche Bevölkerungsbewegungen trugen zur Verbreitung mancher Schreine und ihrer Kulte bei. Es wird behauptet, dass die grosse Konzentration von Kumano-Schreinen auf der Bōsō-Halbinsel (Präfektur Chiba) auf solche Bevölkerungswanderungen über das Meer zurückgeht. Die landesweite Verbreitung dieser Schreine scheint jedoch eher das Ergebnis der intensiven Bemühungen der Kumano oshi (Priester, die als Führer für Pilger dienten) und bikuni (buddhistische Wandernonnen, die Spenden für den Schrein sammelten) zu sein.
       Die Kulte des Gion-Schreins (Yasaka Schrein, Kyoto) und des Tsushima-Schreins sind eng mit der kombinatorischen Verehrung (die Buddhismus und kami-Verehrung miteinander verband) der Gottheit Gozu tennō verknüpft. Durch eine Verbindung mit den im Bingo no kuni fudoki aufgeschriebenen Mythen des kami Mutō tenshin, kam es dazu, dass der Gozu tennō vor allem in der Kansai-Region in der Form des Somin Shōrai-Kultes (siehe auch Gozu tennō) verehrt wird. Dieser Kult ist auch die Quelle des landesweiten Brauchs des Durchschreitens eines Ringes aus Schilfgras (chi no wa) während der Sommer-Reinigungsriten (nagoshi no harae). Bittgebete für Heilung sind auch mit dem Buddha Yakushi verbunden, aber Schreine dieser Art, die Namen wie Yasaka und Yagumo führen, verehren die mächtige Gottheit Susano-o.
       Darüber hinaus wird in Fällen, in denen die Krankheit als von einer Besessenheit durch böse Geister verursacht angesehen wird, Heilung durch einen Exorzismus der die Krankheit verursachenden Wesenheit herbeigeführt. Dies ist ein Element von Schrein-Kulten aus der Gegend um Izumo und anderen Teilen West-Japans.
       Yamabushi genannte Asketen, die in den Bergen ihre asketischen Übungen praktizierten und dort übernatuerliche kami-Kräfte erlangt hatten, standen der einfachen Bevölkerung mit Wunderheilung und Volksmedizin bei. Dabei verwendeten sie ihr Wissen um sowohl körperliche wie auch geistige Gebrechen zu behandeln. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte "Patentmedizin aus Toyama" (Toyama baiyaku). Diese Art von Bergkult leitet sich aus dem Glauben ab, dass Berge die Domäne der kami sind, und dass die dortigen kami die Fähigkeit haben, Wasser, Kenntnisse über das Wetter und Wissen über den derzeitigen eigenen Standort auf See zu vergeben. Manchmal können solche Berg-kami auch zu kami von Reisfeldern oder zu Ahnen werden. Innerhalb von kombinatorischen Buddha-kami-Kulten konnten Berge entweder als Hölle oder als das "Reine Land" (ein paradiesartiger Ort) eines Buddhas angesehen werden. Im Laufe der Generationen haben diese vielfältigen kultischen Bräuche auch ihre Form gewandelt. Der Stil und die Benennung von Kult-Gruppen kann auch von örtlichen Gebräuchen und den organisatorischen Notwendigkeiten der Zeit abhängen.

— Sugiyama Shigetsugu
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Ver. 1.3