Encyclopedia of Shinto Kokugakuin University
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Einführung Kapitel 7 : Auffassungen und Lehren
Dieses Kapitel behandelt die grundlegenden Konzepte und Begriffe des Shintō und gibt einen Überblick über die Shintō-Lehren, die Theologie und die Hauptthemen der modernen Shintō-Forschung. Da Shintō keine gegründete Religion ist, gibt es keine Gründerlehren oder göttliche Eingebungen. Die hier besprochenen grundlegenden Gedanken des Shintō bestehen aus den Glaubensvorstellungen, die in den klassichen Texten (dem Kojiki, Nihon shoki und anderen) wiedergegeben sind, sowie den Moralvorstellungen, die sich im Laufe der langen Geschichte des Shintō entwickelten. Von besonderer Bedeutung hierbei sind eine Reihe von Gelehrten der Nationalen Schule (kokugaku) aus der Edo-Zeit, die durch ihre Studien der klassischen Werke des Shintō die Urlehren und die ursprüngliche Lebensart Japans zu erforschen suchten. Sie taten dies um einen spezifisch japanischen "Weg" wieder ins Leben zu rufen, der sich von den chinesischen Vorstellungen, die einen grossen Einfluss auf Japan ausgeübt hatten, unterschied. Das Verständnis der Klassiker, das von diesen Denkern entwickelt wurde, hatte einen bis heute anhaltenden nachhaltigen Einfluss auf die Shintō-Lehren und dieTheologie.
       Die Grundvorstellungen, die in diesem Kapitel behandelt werden, beschäftigen sich mit der Sichtweise des Shintō auf Fragen wie Kosmologie (uchūkan), Kaiser und Staat (tennō/kokkakan), die "andere Welt/das Jenseits" (takaikan), Weltsicht (sekaikan), der Mensch (ningenkan), Geister (reikonkan) und Geschichte (rekishikan). Es ist schwierig, eine strenge Trennung zwischen all diesen Themenbereichen aufrechtzuhalten, aber die meisten Begriffe, die in dieses Kapitel aufgenommen wurden, können mit dem einen oder anderen dieser Themen in Verbindung gebracht werden. Begriffe wie "Himmel und Erde" (tenchi), die "himmlische Säule" (mihashira), das "Zeitalter der Götter" (kamiyo, jindai) und die "Ebene des Hohen Himmels" (takamanohara) fallen eindeutig in den Themenbereich Kosmologie oder Weltsicht. "Nationalwesen" (kokutai), "Götterland" (shinkoku) und "Land der üppigen Reet-Ebenen und frischen Reisähren" (toyoashihara no mizuho no kuni) sind Ausdrücke eines shintōistischen Staatsverständisses. Begriffe wie "Durchgang zur Welt der Toten" (kiyū), das "ewige Land" (tokoyo) und "gelbe Quellen" (yomi) vermitteln ein Verständnis der "anderen Welt." Das "grüne Gras der Menschheit" (aohitogusa) und der "grosse Schatz" (ōmitakara) beziehen sich auf die Sichtweise des Shintō auf den Menschen. "Rauher Geist" (aramitama), "sanfter Geist" (nigimitama), "Ahnengeister" (sorei) und "Beruhigung der Geister" (chinkon kishin) sind Begriffe, die der shintōistischen Sichtweise über Geister entnommen sind. "Die Niederkunft des himmlischen Enkels" (tenson kōrin), "das mittlere Jetzt" (nakaima) und die "Öffnung des Landes" (chōkoku) beziehen sich auf die Geschichte. Zuletzt gibt es eine Reihe von Begriffen, die die ethischen und moralischen Sichtweisen des Shintō ausdrücken. Darunter fallen "in der Eigenschaft als kami" (kannagara), "von den kami lernen" (kannarau), "die kami anbeten und die Ahnen verehren" (keishin sūso), "Loyalität und Pietät gegenüber den Eltern" (chūkō), "Aufrichtigkeit" (makoto) und "positiv und ehrlich" (meijō seichoku). Alle diese Vorstellungen wurden innerhalb theologischer Schulen systematisch untersucht. Natürlich wurde ihre Entwicklung stark von Buddhismus und Konfuzianismus beeinflusst.
       Die moderne Shintō-Forschung kann grob in die Bereiche der Shintō-Theologie, Religionswissenschaft, Geschichte, Ethnographie und Volkskunde, sowie Anthropologie eingeteilt werden. Es ist schwierig, den Beginn der wissenschaftlichen Shintō-Forschung festzulegen, aber es steht ausser Zweifel, dass die Gelehrtenrichtung der Nationalen Schule (kokugaku) der Edo-Zeit den Weg für die moderne Shintō-Forschung bereitete. Die philologische Methodik, die diese Gelehrten für die Analyse der klassischen Texte enwickelten, hat das Fundament der modernen wissenschaftlichen Erforschung des Shintō gelegt. Dies hatte zur Folge, dass die Textexegese der Shintō-Klassiker der erste Bereich der Shintō-Forschung war, der nach der Meiji-Restauration aufblühte. Später begann man auch allmählich Theorien aus den Fachbereichen der Geschichte und Religionswissenschaft zur Erklärung des Shintō anzuwenden. Die ersten Zentren der Shintō-Forschung waren das Kōten Kōkyūsho in Tokyo und das Jingū Kōgakkan in Ise, sowie das 1905 gegründete religionswissenschaftliche Institut der Universität Tokyo. In der Religionswissenschaft bestand wachsendes Interesse daran, die Stellung des Shintō im Rahmen der von Wissenschaftlern entwickelten "Vergleichenden Religionswissenschaft" festzulegen. Ein anderes hervorragendes Fach, das sich um die Erforschung des Shintō bemühte, war die Volkskunde. Die Studien, die Yanagita Kunio und Orikuchi Shinobu anfertigten, besitzen besondere Bedeutung für die Erforschung der shintōistischen Volksbräuche, und das Fach gewann zu Beginn der Shōwa-Ära (1926-1989) an Bedeutung.
       Nach Japans Niederlage im Krieg erschien eine Welle kritischer historischer Studien, die die Untaten des Staats-Shintō (kokka shintō) anklagten. Dies war zum Teil eine Reaktion auf die strenge Zensur der Vorkriegszeit, die eine Kritik am Tennō-System und Schrein-Shintō unmöglich gemacht hatte. In neuerer Zeit hat jedoch die Zahl der auf historischen Quellen basierenden Studien der Geschichte des Shintō zugenommen. Als fruchtbares und dynamisches Forschungsfeld stechen in der Religionswissenschaft besonders neue Interpretationen der Shintō-Mythen unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der westlichen komparativen Mythenforschung hervor. Ein zentraler Platz innerhalb dieses Feldes wird von einem Ansatz eingenommen, in dem die Verknüpfung von Mythen und Ritual angenommen wird und symbolhafte Interpretationen der beiden Elemente vorgeschlagen werden. Das Feld der archäologischen Erforschung des Shintō ist vergleichsweise noch nicht so weit fortgeschritten. Die Erforschung des Shintō durch shintōistische Gelehrte selbst erlitt nach dem Krieg einen schweren Schlag, aber nachdem die Kritik am Staats-Shintō etwas abgeklungen war, hat auch die Quellen-orientierte Erforschung der Geschichte des Shintō wieder zugenommen. Ausserhalb Japans begann die Shintō-Forschung noch vor dem Krieg. Zuerst waren die nicht-japanischen Wissenschaftler insbesondere an der Mythologie des Shintō interessiert, wobei auch der Sekten-Shintō (kyōha shintō) ihr Interesse weckte. In neuerer Zeit sind Shintō-Riten sowie die Aktivitäten und Lehren der Shintō-Sekten und Shintō-beeinflussten Religionen (shintō kei shinshūkyō) das Objekt wachsenden Interesses.

— Inoue Nobutaka
"Establishment of a National Learning Institute for the Dissemination of Research on Shinto and Japanese Culture"
4-10-28 Higashi, Shibuya-ku, Tokyo, 150-8440, Japan
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Ver. 1.3